Die „Brechstange“ gegen Moskau
Fakt ist: Russland wird primär als eine akute, territoriale Bedrohung für die europäische Sicherheitsordnung gesehen.* Hier gilt die Logik der harten Abschreckung. Rein theoretisch ist die wirtschaftliche Trennung von Russland zwar schmerzhaft (Energie!), aber machbar, da Russland außer Rohstoffen kaum unverzichtbare Glieder in der globalen Wertschöpfungskette hält. Gesetzt den Fall, Moskau würde morgen komplett vom Weltmarkt isoliert, würde das System wackeln, aber nicht kollabieren. Russland ist für den Westen ein militärisches Problem, das man mit Sanktionen „einkreisen“ kann.
Die „Geiselhaft“ der Weltwirtschaft
Bei China versagt die Logik der Isolation komplett. Fakt ist: China ist kein bloßer Rohstofflieferant, sondern die „Werkbank der Welt“ und ein technologischer Gigant.* In einem denkbaren Szenario würde ein totaler Bruch mit Peking (Decoupling) die westlichen Volkswirtschaften binnen Wochen in eine Depression stürzen, gegen die die Inflation von 2023 wie ein Kindergeburtstag wirkte. Rein theoretisch ist China so tief in unseren Alltag eingewoben – von Medikamenten bis zu Seltenen Erden für E-Autos –, dass der Westen es sich schlicht nicht leisten kann, Peking zum totalen Feind zu erklären. Wir sind wirtschaftliche Schicksalsgenossen, ob wir wollen oder nun nicht.
Systemischer Rivale vs. existenzieller Feind
Die Sprache der Diplomatie verrät den Plan. Fakt ist: Die EU bezeichnet China offiziell als „Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen“ zugleich.* Sollte sich dieses Muster verfestigen, erleben wir eine dauerhafte Gratwanderung. Während man Russland militärisch besiegt sehen will, versucht man China durch „De-Risking“ (Abhängigkeiten verringern) zu bändigen, ohne den Handel zu stoppen. Rein theoretisch bedeutet das: Wir rüsten uns für einen Konflikt, von dem wir gleichzeitig hoffen müssen, dass er niemals ausbricht, weil er unseren eigenen Wohlstand vernichten würde.