Die LNG-Falle – Neue Dealer, altes Problem?
Fakt ist: Europa hat den russischen Gashahn erfolgreich durch massiv gesteigerte LNG-Importe aus den USA und Katar ersetzt.* Rein theoretisch ist der Kontinent damit unabhängiger von Moskau, doch in der Praxis haben wir eine Pipeline-Abhängigkeit gegen eine maritime Abhängigkeit getauscht. Gesetzt den Fall, dass geopolitische Spannungen die globalen Schifffahrtsrouten blockieren, steigen die Preise in Europa sofort sprunghaft an. Wir sind heute mehr denn je vom Weltmarktpreis für Flüssiggas abhängig – und damit von der politischen Stabilität in Regionen, die Europa nicht kontrollieren kann.
Die unsichtbare Gefahr – Infrastruktur als Ziel
Die physische Sicherheit unserer Energie-Adern ist zum Albtraum der Sicherheitsbehörden geworden. Fakt ist: Seit der Sabotage an Nord Stream ist klar, dass Pipelines und Seekabel keine geschützten Räume mehr sind.* In einem denkbaren Szenario könnte ein koordinierter Angriff auf die norwegischen Gasleitungen oder die Stromtrassen in der Nordsee Europa binnen Tagen in eine Energiekrise stürzen, die weitaus schlimmer wäre als alles bisher Erlebte. Rein theoretisch überwacht die NATO diese Gebiete, doch tausende Kilometer Unterwasser-Infrastruktur lückenlos zu schützen, ist technisch nahezu unmöglich. Die Verwundbarkeit ist hier nicht nur ökonomisch, sondern rein physisch.
Die Rohstoff-Ironie der Energiewende
Während wir fossile Brennstoffe abbauen, laufen wir sehenden Auges in die nächste Abhängigkeit. Fakt ist: Die Transformation hin zu erneuerbaren Energien benötigt Unmengen an kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden – Märkte, die aktuell fast vollständig von China dominiert werden.* Sollte sich dieser Trend verfestigen, tauscht Europa die Energie-Abhängigkeit von Russland gegen eine Technologie-Abhängigkeit von Peking. Gesetzt den Fall, dass Handelskonflikte eskalieren, könnte die Energiewende in Europa zum Stillstand kommen, bevor sie ihre volle Wirkung entfaltet. Wir gewinnen Klimaschutz, verlieren aber womöglich erneut an strategischer Autonomie.