Der „Swing State“-Filter
Fakt ist: In den USA wird Außenpolitik zunehmend als Innenpolitik verkauft, um unentschlossene Wähler in den wichtigen „Swing States“ zu gewinnen.* Jede Entscheidung – ob Waffenlieferungen oder Zölle – muss heute vor dem „Stammtisch“ in Ohio oder Pennsylvania bestehen. Rein theoretisch bedeutet das: Langfristige globale Strategien werden für kurzfristige Umfragesiege geopfert. Gesetzt den Fall, ein militärisches Engagement wird bei der eigenen Basis unpopulär, könnte Washington über Nacht den Stecker ziehen, egal wie kritisch die Lage vor Ort ist. Wir erleben das Ende der berechenbaren Weltmacht.
Das große „Warten auf November“
Verbündete und Gegner haben das System durchschaut. Fakt ist: Diplomaten weltweit richten ihre Strategien nicht mehr an der aktuellen Regierung aus, sondern an den Umfragewerten der Opposition.* In einem denkbaren Szenario verzögern Länder wie Russland oder der Iran Verhandlungen bewusst, in der Hoffnung, nach der Wahl einen „besseren Deal“ mit einem neuen Präsidenten zu bekommen. Rein theoretisch führt das zu einem weltweiten politischen Stillstand: Niemand will heute einen Vertrag unterschreiben, der in acht Monaten vielleicht schon das Papier nicht mehr wert ist, auf dem er steht.
Die Angst vor dem Kurswechsel
Für Europa ist diese Unsicherheit existenziell. Fakt ist: Die USA tragen nach wie vor die Hauptlast der NATO-Finanzierung und der Verteidigungsschirme.* Sollte sich ein radikaler Kurswechsel abzeichnen, stünde Europa plötzlich militärisch „nackt“ da. Rein theoretisch zwingt uns der US-Wahlkampf dazu, viel schneller sicherheitspolitisch erwachsen zu werden, als es uns lieb ist. Wir beobachten gerade live, wie die „Sicherheitsgarantie USA“ von einer festen Größe zu einer Variablen in einem US-Wahlwerbespot schrumpft.