Der Mann, der das Kabel legte
Dass Deutschland heute überhaupt ein flächendeckendes Netz hat, ist kein Zufall. In den 80ern hat Schwarz-Schilling als Postminister die Verkabelung gegen massiven Widerstand durchgezogen. Er wurde damals verspottet – „Bundesbleiminister“ – aber er hat es trotzdem gemacht.
Während andere diskutiert haben, hat er einfach Kabel verlegen lassen. Ganz simpel: Ohne Infrastruktur keine digitale Freiheit. Genau das hat er verstanden. Und genau deshalb war das richtig. Ohne diese Entscheidung hätte Deutschland beim Internetstart Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verloren.
Das Ende des Staatsmonopols
Vor ihm gab es im Fernsehen praktisch nur eine Richtung: öffentlich-rechtlich. Er hat das aufgebrochen. RTL, Sat.1 – das kam nur, weil er die Regeln geändert hat. Er hat den Markt geöffnet, Investoren reingeholt und Wettbewerb geschaffen. Nicht aus Ideologie, sondern weil er wusste: Monopole machen alles langsam und träge. Vielfalt entsteht nur, wenn Konkurrenz da ist. Er hat die Medien nicht als Belehrungsmaschine gesehen, sondern als Markt. Und genau das hat den Unterschied gemacht.
Moral als Währung: Der Bosnien-Einsatz
1992 ist er zurückgetreten. Nicht aus Kalkül, sondern weil er das Wegsehen beim Krieg in Bosnien nicht mittragen wollte. So etwas passiert in der Politik fast nie. Er hat damit seine Karriere riskiert – aber sich Respekt gesichert. Später ist er zurückgegangen, um beim Wiederaufbau zu helfen. Das zeigt: Du kannst Dinge durchziehen und trotzdem Haltung behalten. Aber nur, wenn du bereit bist, dafür auch was zu verlieren.