Das Zitat ist echt, die Logik ist Satire
Dass Mohammad Marandi diesen Spruch abgesetzt hat, ist richtig. Laut verschiedenen Social-Media-Quellen und seinem eigenen X-Account (ehemals Twitter) nutzt der in Richmond, Virginia, geborene Professor seine US-Staatsbürgerschaft oft für scharfe, zynische Kommentare gegen das amerikanische Establishment. Richtig ist auch: Als „natural-born citizen“ wäre er verfassungsrechtlich tatsächlich berechtigt, für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren.
Die Behauptung, er sei „nicht berechtigt“, weil sein Name nicht in den Epstein-Akten auftaucht, ist natürlich faktisch falsch. Es gibt kein Gesetz, das eine Verbindung zu Jeffrey Epstein als Voraussetzung für das Präsidentenamt vorschreibt. Marandi nutzt hier das rhetorische Mittel der Ironie, um zu suggerieren, dass man im aktuellen US-System nur dann nach oben kommt, wenn man Teil einer korrupten oder kompromittierten Elite ist.
Die Mechanik des „Whataboutism“
Man muss die Mechanik hinter diesem Post verstehen: Wer steuert hier die Erzählung? Marandi ist nicht nur ein Akademiker, sondern ein bekannter Berater der iranischen Regierung. Sein Ziel ist es, die moralische Integrität der USA zu untergraben. Indem er die Epstein-Akten ins Spiel bringt – ein Thema, das in den USA für massives Misstrauen sorgt –, lenkt er von politischen Inhalten ab und setzt auf puren Zynismus.
Profiteure dieser Meldung sind jene, die das Vertrauen in westliche Institutionen weiter schwächen wollen. Verlierer ist der User, der den Witz für eine echte rechtliche Aussage hält. Marandi spielt hier „Social-Media-Schach“: Er nimmt eine wahre Tatsache (seine Geburt in den USA) und verknüpft sie mit einer populären Verschwörungserzählung, um maximale Reichweite zu erzielen. Es ist klassische politische Kommunikation im digitalen Zeitalter.
Das Risiko: Wenn Zynismus die Fakten frisst
Die Auswirkungen solcher viralen Meldungen sind für unsere Debattenkultur gefährlich. Absatz 1: Wenn wir anfangen, politische Eignung über die Zugehörigkeit zu Skandal-Listen zu definieren – selbst im Scherz –, zerstören wir den Rest an sachlicher Auseinandersetzung. Das finanzielle Risiko für Medienhäuser und Plattformen steigt, da solche Inhalte oft die Grenze zwischen Meinung, Satire und Desinformation verwischen.
Regeln für politische Werbung oder „Fact-Checking“ greifen hier ins Leere, weil Marandi technisch gesehen nur einen Witz macht. Die Sicherheit der Information ist gefährdet, wenn Menschen aufhören, nach den echten Voraussetzungen für ein Amt zu fragen (wie Alter und Staatsbürgerschaft) und stattdessen nur noch auf den „Punchline-Faktor“ schauen. Wir gewöhnen uns an eine Sprache, in der nur noch der böseste Spruch gewinnt, während die komplexe Realität auf der Strecke bleibt.